In Windows gibt es Fallgruben, in die auch erfahrene Anwender stolpern können. Wir stellen Ihnen besonders gefährliche, aber auch nützliche XP- und Vista-Funktionen vor. Mit unseren Tipps vermindern Sie die Risiken, und Ihre Daten bleiben sicher.
Datenverlust und Systemcrash sind die
Schreckgespenster jedes Anwenders. Die Windows-Entwickler versuchen
zwar, riskante Funktionen von der Oberfläche fernzuhalten und
stattdessen auf die Kommandozeile zu verbannen. Allerdings gibt es
noch immer Funktionen, die nur mit äußerster Vorsicht einzusetzen
sind.
Wissen schützt: Wir stellen Ihnen 10 besonders
gefährliche, aber auch nützliche Windows-Befehle vor. Sie erfahren,
was die Funktionen bewirken, welche Vorteile sie bieten, aber auch
welche Risiken sie bergen. Wir zeigen Ihnen Wege auf, wie Sie am
besten die Gefahren minimieren oder komplett umgehen und so Ihre
Daten sicher handhaben.
1. Vorsicht beim Kopieren von vielen Dateien mit dem
Explorer
Risiko: 2 Nutzen: 4
Der Explorer als Dateimanager sollte in der Lage sein, das
Kopieren von Dateien und Ordnern ohne Restrisiko für Ihre Daten zu
beherrschen. Dem ist aber nicht so.
Verstecktes vergessen: Standardmäßig werden
versteckte Dateien ausgeblendet. Das kann beim Kopieren dazu
führen, dass sie nicht berücksichtigt werden. Das passiert, wenn
Sie alle Dateien und Verzeichnisse in einem Ordner mit gedrückter
<Shift>-Taste markieren und kopieren. Da enthaltene
versteckte Dateien hier nicht auftauchen, fehlen sie auch in der
Kopie. Besser ist der Hotkey <Strg>-<A>. Damit
markieren Sie den gesamten Ordnerinhalt. Falls versteckte Dateien
oder Ordner dabei sind, warnt Windows und gibt Ihnen die
Möglichkeit, sie mitzukopieren.
Abbruch-Chaos: Unter XP können auch
Kopier-Abbrüche zu Datenverlust führen (in Vista wurde das Problem
entschärft). Wenn Sie große Datenmengen kopieren und eine der
Dateien aus dem x-ten Unterordner nicht kopiert werden kann, weil
sie gesperrt ist, so bricht der Kopiervorgang einfach ab (die
Schaltfläche „Überspringen“ gibt es erst ab Vista). Sie müssen
danach herausfinden, was schon alles kopiert wurde, und den Rest
manuell nachliefern. Das ist umständlich und fehlerträchtig.
Alternativ können Sie dafür sorgen, dass die Datei nicht mehr
gesperrt ist, den ursprünglichen Kopiervorgang erneut starten und
beim ersten „Ersetzen“-Dialog mit <Shift> und „Nein“ dafür
sorgen, dass keine der Dateien überschrieben wird.
NTFS-Datenverlust: Das NTFS-Dateisystem kann jeder
Datei Zusatzdaten (Streams) und Berechtigungen anhängen. Wenn Sie
Dateien von NTFS auf ein FAT(32)- oder ein Netz-Laufwerk kopieren,
gehen diese Zusatzdaten und Berechtigungen prinzipbedingt verloren.
Wenn Sie sie zurückkopieren, erhalten die Dateien die
Berechtigungen des Zielordners.
Abhilfe: Eher unbefriedigend ist der
Explorer-Hotkey <Strg>-<A>. Hier bekommen Sie lediglich
eine Warnung. Verwenden Sie zum Kopieren großer Dateimengen besser
fehlertolerante Tools wie Xcopy, Robocopy, den Total
Commander oder Rich Copy 4.0.
2. Vorsicht beim Defragmentieren von Laufwerken mit
Windows
Risiko: 3 Nutzen: 3
Das Defragmentieren eines Laufwerks wirkt sich meist kaum auf
die Systemleistung aus. Bei sehr fragmentierten Platten bringt es
allerdings ein Tempoplus. In Verbindung mit versehentlich
gelöschten Dateien wird Defrag aber zum Datenkiller.
Gelöschtes entfernen: Mit dem Papierkorb bietet
Windows einen Schutz gegen versehentliches Löschen. Viele Benutzer
leeren den Papierkorb aber reflexartig, sobald er „voll“ ist.
Notfalls können kostenlose Unerase-Tools auch wirklich gelöschte
Dateien schnell wiederherstellen, sofern deren Speicherplatz noch
nicht neu beschrieben wurde. Nach einer Defragmentierung sind aber
auch solche Tools chancenlos: Das Windows-eigene Defrag („Start,
Alle Programme, Zubehör, Systemprogramme, Defragmentierung“)
sortiert wie jedes andere Tool dieser Gattung alle Dateien einer
Partition so um, dass ein zusammenhängender Datenblock und ein
Block mit freiem Speicherplatz entsteht. Dabei werden die Löcher
geschlossen, die durch das Löschen einzelner Dateien entstehen. Die
dort abgelegten Daten sind damit endgültig vernichtet.
Abhilfe: Seien Sie sparsam mit der
Defragmentierung, und verzichten Sie auf automatisches
Defragmentieren.
Noch mehr Risikofaktoren
3. Vorsicht beim Umbenennen von vielen Dateien im
Explorer
Risiko: 3 Nutzen: 2
Viele Dateien nach einem logischen Muster umzubenennen ist
für den Windows-Explorer keine triviale Aufgabe – er zeigt sich
damit in der Regel überfordert. Wenn nun eine große Menge Dateien
falsch benannt ist, müssen Sie unter Umständen jede einzelne
inhaltlich prüfen, um den korrekten Namen wiederherzustellen – das
grenzt an Datenverlust.
Dateinamen überschreiben: Eine einzelne Datei mit
dem Explorer umzubenennen ist kein Problem – einfach markieren,
<F2> drücken und den neuen Namen eingeben. Falls aber mehrere
Dateien in einem Ordner einen neuen Namen erhalten sollen, sind Sie
mit dem Explorer meist schlecht beraten. Wenn Sie damit mehrere
Dateien mit gedrückter <Shift>- oder <Strg>-Taste
markieren und dann <F2> drücken, ändern Sie zunächst den
Namen der letzten Datei. Die Bestätigung mit <Return> danach
führt dazu, dass alle markierten Dateien den Namen der ersten Datei
plus einer Indexnummer bekommen – die Originalnamen sind weg. Unter
Vista können Sie das mehrfache Umbenennen mit
<Strg>-<Z> in einem Rutsch rückgängig machen. In XP
müssen Sie die Aktion für jede Datei mit <Strg>-<Z>
zurücksetzen. Allerdings ist nach zehn Dateien Schluss – alle
weiteren Dateinamen lassen sich nicht wiederherstellen.
Abhilfe: Nutzen Sie zum Umbenennen vieler Dateien
ein Spezial-Tool wie Oscar’s File Renamer 1.1.
4. Vorsicht beim Einsetzen spezieller
NTFS-Verknüpfungen
Risiko: 3 Nutzen : 4
Das NTFS-Dateisystem erlaubt inzwischen eine ganze Palette
von Ordner-Links. Die neueren Junctions und Symlinks können Ordner
jeder Quelle bequem an anderer Stelle einbinden. Das birgt
allerdings gewisse Risiken – unter Vista und mehr noch unter XP.
Verirrtes Löschen: Solange Sie den Explorer
verwenden, ist das Löschen und Verschieben von Ordnern, die
ihrerseits Junctions oder symbolische Orderlinks enthalten,
mittlerweile sicher. Der Vista-Explorer konnte das von jeher, der
XP-Explorer wurde durch ein Update vor einigen Jahren „
Junction-sicher“ gepatcht. Das heißt: Wer einen Ordner mit
Junctions löscht oder verschiebt, löscht oder verschiebt nicht etwa
die Dateien des Linkziels mit. Wie sich hingegen andere Anwendungen
und Kommandos verhalten, bleibt unsystematisch und damit
gefährlich: Cmd-Befehle wie „rd /s“, „del /s“ oder „robocopy /mir“
löschen die Dateien der Junction- oder Symlink-Ordner einfach mit.
Packer wie Winrar berücksichtigen ebenfalls alle durch solche Links
angeschlossenen Daten und löschen diese folglich auch, wenn der
Anwender es per Option oder Aufrufparameter angefordert hat. Wer
vergessen hat, dass er etwa unter C:\Daten ein umfangreiches Archiv
einer USB-Festplatte oder eines Netzlaufwerks per Junction/Symlink
eingehängt hat, kann sich im günstigsten Fall über den Umfang von
Datei-Aktionen wundern, im schlimmsten Fall geht der Datenbestand
über Bord.
Anmerkung: Vom System vorgesehen sind Junctions
und Symlinks erst unter Vista, und auch dort nur über den
Kommandozeilenbefehl „mklink“. Allzu populär und einfach zugänglich
will Microsoft die NTFS-Verlinkung offenbar nicht gestalten. Unter
XP können Sie nur die Junctions einsetzen, und das auch nur über
externe Tools wie die Junction.exe von Sysinternals.
Abhilfe: Junctions und Symlinks sind, auch wenn
sie in der Regel keinen Datenverlust auslösen, in vielen
Situationen verwirrend. Nur wirklich erfahrene Anwender sollten
sich auf das Thema einlassen. Einige Spezial-Tools sind auf
Junctions wirklich vorbereitet. So bietet etwa Robocopy den
Schalter /XJ („exclude junctions“), um solche Ordner explizit zu
ignorieren.
Risiko Standby-Modus
5. Vorsicht beim Ruhezustand oder Standby-Modus
Risiko: 3 Nutzen: 3
Statt Windows herunterzufahren können Sie es auch in
verschiedene Energiespar-Modi versetzen. Wenn Sie etwa den Deckel
Ihres Notebooks zuklappen, wechselt es standardmäßig in den
Standby-Modus. Noch sparsamer ist der Ruhezustand. Eins haben die
verschiedenen Energiespar-Zustände gemeinsam: Der Inhalt des
Arbeitsspeichers bleibt dabei erhalten oder wird auf Platte
gespeichert. Nach dem Aufwecken können Sie also theoretisch an den
geöffneten Anwendungen einfach weiterarbeiten.
Windows-Koma: Die Energiespar-Zustände arbeiten
aber leider nicht immer fehlerfrei. Unter Vista gab es anfangs etwa
auf einigen Notebooks Probleme beim „Aufwecken“. Hier half nur ein
Zwangsneustart, bei dem alle ungespeicherten Arbeiten verloren
gehen.
Abhilfe: Sichern Sie immer alle geöffneten
Dateien, bevor Sie den Rechner in einen Energiespar-Zustand
versetzen. Auf Desktop-PCs ist es oft besser, Standby und
Ruhezustand in den Energieoptionen zu deaktivieren. Wer sich zu
Arbeitsbeginn an ein laufendes System setzen will, kann im Bios
einstellen, wann sein PC automatisch hochfahren soll.
6. Vorsicht beim Aktivieren von Windows-Firewall und
UAC
Risiko: 3 Nutzen: 4
Die Windows-Firewall und die Benutzerkontensteuerung (UAC)
sind Schutzfunktionen von Windows, die standardmäßig aktiv sind.
Die Firewall hat zwei Aufgaben: Sie verhindert, dass
unaufgeforderte Anfragen aus dem Netz auf Ihren Rechner verarbeitet
werden. Außerdem meldet sie jede neue Anwendung, die eine
Internet-Verbindung aufbauen möchte. Analog verhindert UAC unter
Vista, dass Anwendungen Systemeinstellungen und -Dateien
manipulieren. Sollte eine Anwendung diese Rechte aber benötigen,
integriert der Programmierer eine spezielle Steuerdatei (Manifest)
in seine Applikation. Die Manifest-Datei sorgt dann dafür, dass die
UAC von Ihnen eine Bestätigung einfordert, damit das Tool auch
wirklich Vollzugriff auf Ihr System erhält.
Bestätigungsflut: Das Problem bei solchen
Schutz-Tools ist, dass viele Benutzer sich blind auf sie verlassen
und auf weitere Schutzmaßnahmen völlig verzichten (Updates,
Antivirus, Brain 1.0). Genauso gravierend sind die vielen
Bestätigungsdialoge: Wenn bei jedem neuen Tool, das Sie nutzen
möchten, entweder die UAC oder die Firewall anspringt, klicken Sie
irgendwann genervt einfach auf „OK“ – und all die eingebetteten
Schutzmechanismen sind Makulatur.
Abhilfe: Nehmen Sie wirklich jede Aufforderung von
UAC und Firewall ernst. Verlassen Sie sich aber auch nicht auf die
Unfehlbarkeit dieser Tools oder jedes anderen Schutzprogramms. Wie
sicher Ihr PC ist, hängt in erster Linie von Ihrem eigenen
Verhalten ab: Sie müssen wissen, was Sie tun und welche Folgen es
haben kann. Tools können Sie dabei grundsätzlich nur
unterstützen.
7. Vorsicht beim Laden von Dateien per Doppelklick
Risiko: 4 Nutzen: 5
Dateien haben unter Windows neben dem Namen noch eine
Erweiterung mit meist drei Zeichen, die den Dateityp definiert. So
ist eine Datei mit der Endung EXE etwa direkt ausführbar, DOC ist
ein Word-Dokument, MP3 eine Audio-Datei und so weiter. All diese
und viele weitere Erweiterungen sind in der Registry eingetragen,
damit Windows weiß, welche Anwendung für eine entsprechende Datei
zuständig ist. Vor dem Anwender blendet Windows die Endungen
bekannter Dateitypen standardmäßig aus.
Dateien unter falscher Flagge: Der „Love Letter“
-Virus hat sich diese Windows-Eigenheit Anfang des Jahrtausends
zunutze gemacht, um Benutzern ein harmloses Textdokument
vorzugaukeln, bei dem es sich in Wirklichkeit um ein bösartiges
Script handelt. Der Trick ist so simpel wie effektiv. Die Datei mit
„zwei“ Endungen heißt etwa „Love Letter For You.txt.vbs“. Die
tatsächliche Endung VBS wird vom System standardmäßig nicht
angezeigt, da es sich um den bekannten Dateityp „Visual Basic
Script“ handelt. Das harmlose TXT hingegen erscheint im Explorer.
Der Anwender fühlt sich sicher, klickt darauf und führt damit das
bösartige Script aus.
Abhilfe: Wenn Ihr Windows Extensionen nicht
anzeigt, sollten Sie sofort misstrauisch werden, sofern Sie doch
einmal eine zu sehen bekommen. Alternativ können Sie sich alle
Endungen anzeigen lassen. Öffnen Sie dazu „Extras, Ordneroptionen,
Ansicht“ (XP) beziehungsweise „Organisieren, Ordner- und
Suchoptionen, Allgemein“ (Vista), und deaktivieren Sie die Klickbox
vor „Erweiterungen bei bekannten Dateitypen ausblenden“. Einige
spezielle Dateitypen werden aufgrund eines Registry-Flags
allerdings nie angezeigt. Das gilt etwa auch für das gefährliche
PIF (Program Information File für DOS-Anwendungen), das zwar als
Verknüpfung eingesetzt wird, aber beliebigen Maschinencode
enthalten kann, der beim Doppelklick ausgeführt wird. Wer wirklich
alles sehen will, muss in der Registry unter „
Hkey_Classes_Root\PifFile“ (und weitere, zum Beispiel
LNK-Verknüpfungsdateien) das „NeverShowExt“ tilgen.
Klassische Killerkommandos
8. Vorsicht beim Verschlüsseln der
Windows-Logon-Datenbank
Risiko: 5 Nutzen: 2
Das Windows-eigene Programm Syskey.exe bietet die Option,
eine Schlüsseldatei für den Systemstart auf Diskette zu speichern.
Bei jedem Start muss diese Diskette im Laufwerk liegen, sonst kann
Windows die Kennwort-Datenbank nicht entschlüsseln. Wenn Ihr PC
aber gar kein Diskettenlaufwerk A: hat, lässt sich Syskey nicht
mehr abbrechen – und Sie kommen nicht mehr an Ihr System.
Syskey-Fallstrick: Wenn Syskey bei fehlendem
Laufwerk A: darauf beharrt, dass Sie etwas ins Laufwerk A:
einlegen, dürfen Sie das Programm keinesfalls gewaltsam über den
Task-Manager beenden. Zu diesem Zeitpunkt ist die
Kennwort-Datenbank nämlich schon verschlüsselt (!), und ohne
Schlüssel-Diskette dürfen Sie sich nicht mehr anmelden.
Abhilfe: Sie müssen Syskey unbedingt zeitweise ein
Laufwerk A:\ präsentieren. Der einfachste Weg: Sie geben in der
Eingabeaufforderung (Cmd) den Befehl
subst a: %temp%
ein und bestätigen den folgenden Syskey-Dialog mit „OK“.
Unmittelbar danach rufen Sie Syskey erneut auf, setzen wieder die
Option „Systemstartschlüssel lokal speichern“ und bestätigen. Am
besten verzichten Sie auf das veraltete Syskey (das auch in Windows
7 noch enthalten ist). Falls Sie allerdings schon in die
Syskey-Falle getappt sind und das Programm mit dem Task-Manager
abgeschossen haben, müssen Sie vor dem nächsten Neustart einen
Systemwiederherstellungs- oder Systemprüfpunkt zurückschreiben.
Andernfalls hilft nur noch, eine zuvor gesicherte Registry
zurückzuschreiben. Das geht aus einem Rettungssystem wie Bart PE und
Vista PE (Teil von vollwertiger Vista-DVD).
9. Vorsicht bei klassischen Killer-Kommandos
Risiko: 5 Nutzen: 4
Erfahrene Anwender werden diese nützlichen
Kommandozeilenbefehle kennen und schätzen. Meistens ist es aber so:
Je mächtiger ein Befehl ist, umso gefährlicher ist er potenziell
auch. Und selbst Profis sind keineswegs vor Pannen gefeit.
Diskpart: Wo Ihnen die Datenträgerverwaltung eine –
wohlüberlegte – Grenze setzt, brauchen Sie das mächtige Diskpart.
Nur damit bekommen Sie etwa eine versteckte Partition sichtbar („
attributes volume clear hidden“) oder entfernen ein exotisches
Dateisystem („clean“). Wenn Sie die falsche Partition erwischen („
select“), hat das Tool freilich eine verheerende Wirkung – alle
Daten sind weg.
Mountvol: Ein Kommando wie „Mountvol d:\ /d“ ist
schnell eingegeben. Das Laufwerk D: wird damit vom System
abgemeldet. Wer sich beim Buchstaben irrt und die Systempartition
angibt, erhält keinerlei Warnhinweis und erlebt die Katastrophe:
Windows XP oder Vista stirbt unter der Oberfläche langsam weg. Zwar
funktioniert der Desktop noch lange in aller bunten Pracht, aber
nichts geht mehr: kein Programmaufruf, kein Startmenü-Punkt, kein
Kontextmenü, nicht mal Runterfahren ...
Wiederherstellungspunkte nützen nichts, weil sie nicht
gefunden werden. Mountvol hat nämlich in der Registry unter „
HKLM\System\MountedDevices“ einen kleinen Binärwert gelöscht.
Kundige können den Schaden eventuell noch über ein sekundäres
System (Win PE) reparieren.
DEL und RD: Die Befehle „del /s“ und „rd /s“, die
alle Unterordner mitverarbeiten, sind ebenso effizient wie
gefährlich. „Bin ich wirklich im richtigen Startordner?“ Diese
Frage sollten Sie sich grundsätzlich zweimal stellen – nicht nur
wenn Sie die Befehle unmittelbar an der Kommandozeile verwenden,
sondern mehr noch in Batchdateien. Wenn dort ein Ordnerwechsel
nicht klappt und DEL oder RD sich im falschen Verzeichnis austoben,
ist sehr schnell sehr viel gelöscht.
Robocopy, Synctoy & Co.:
Synchronisierungs-Tools wie Robocopy („/mir“) und Synctoy 2.0 von
Microsoft („Synchronize“ und „Echo“) kopieren nicht nur Neues,
sondern löschen auch Überzähliges. Die Stoßrichtung der Tools,
Daten zu sichern, kann da leicht ins Gegenteil umschlagen.
Abhilfe: Unerfahrenen Anwendern raten wir davon
ab, die beiden Tools Diskpart und Mountvol anzufassen. „Del /s“ und
„rd /s“ sind oft unentbehrlich: Wenn Sie die Befehle gezielt und
vorsichtig einsetzen, verschwinden genau die Daten, die Sie
wirklich loswerden wollen. Bei Robocopy sollten Sie immer erst den
zusätzlichen Schalter /L, bei Synctoy die „Preview“-Option
verwenden. Beides liefert ein Protokoll aller anstehenden Aktionen,
ohne diese vorerst zu realisieren. Sorgen Sie bei Robocopy dafür,
dass die Konsole via „Eigenschaften, Layout, Fensterpuffergröße“
bis zu einige tausend Zeilen anzeigen kann, damit Sie das Protokoll
von Anfang bis Ende einsehen können.
Risiko: Encrypting Filesystem
10. Vorsicht beim Verschlüsseln per Encrypting
Filesystem
Risiko: 4 Nutzen: 5
Die Windows-Versionen XP Pro sowie Vista
Ultimate/Business/Enterprise bieten Ihnen die Möglichkeit, mit dem „
Encrypting Filesystem“ (EFS) Ihre privaten Dateien bequem zu
verschlüsseln. Wenn Sie in diesen Systemen mit der rechten
Maustaste auf eine Datei oder einen Ordner klicken, „Eigenschaften,
Allgemein, Erweitert“ wählen und „Inhalt verschlüsseln“ aktivieren,
dann legt Windows beim ersten Mal ein Schlüsselpaar für Ihr
Benutzerkonto an und verschlüsselt damit die Dateien. Sie selbst
erkennen EFS-verschlüsselte Dateien nur daran, dass die Dateinamen
im Explorer grün eingefärbt sind. Andere Benutzer können die Daten
nicht öffnen, solange sie nicht Ihr Schlüsselpaar besitzen, auch
nicht von einem externen System aus.
Riskante Verschlüsselung: So nützlich die
EFS-Verschlüsselung auch ist – sie birgt ein erhebliches Risiko,
gerade Ihre wichtigsten Daten unbrauchbar zu machen. Wenn Sie oder
der Administrator Ihres Systems Ihr Benutzerkennwort etwa über den
häufig genutzten Kommandozeilen-Befehl
net user <Benutzername> <neues Kennwort>
ändern, können Sie Ihre verschlüsselten Dateien ab sofort
nicht mehr öffnen. Gleiches gilt erst recht, wenn das Benutzerkonto
gelöscht oder das System komplett neu installiert wird. Beim
Anklicken der Dateien sehen Sie künftig nur noch den Dialog „
Zugriff verweigert“ – und der bedeutet Datenverlust.
Abhilfe: Das Anlegen von Konten und Kennwörtern
sollte immer eine gut überlegte, einmalige Aktion nach der
Installation vom Windows bleiben. Um im Notfall wieder Zugriff zu
bekommen, müssen Sie über das Systemsteuerungs-Applet „
Benutzerkonten“ Ihr Kennwort auf das ursprüngliche zurücksetzen. Um
sich grundsätzlich vor Datenverlust mit EFS zu schützen, legen Sie
sich zusätzlich immer einen Wiederherstellungsagenten an.
Vorsicht vor 5 Killer-Klicks
Killer-Klick 1: Wininit.exe im Task-Manager
beenden
Sie haben unter Vista versehentlich die Wininit.exe im
Task-Manager beendet? Pech gehabt! Vista fährt ohne Rücksicht auf
nicht gespeicherte Daten sofort herunter. Microsoft hat den
potenziellen Datenkiller mittlerweile entschärft: Unter Windows 7
erscheint ein Warndialog.
Killer-Klick 2: <Strg>-<A> und
<Return> im Explorer
Das passiert wohl jedem Anwender irgendwann: Er drückt
<Strg>-<A> im Explorer (alles markieren), gefolgt von
<Return>. Jetzt kommt es nur darauf an, welche Dateimenge
markiert wurde und welcher Art die Dateien sind. Bei etwas Pech
erholt sich Windows nicht mehr, und der Zwangsneustart bedeutet
Datenverlust.
Killer-Klick 3: Übereiltes Drag & Drop auf
Anwendungen
Leichtfertiges Drag & Drop auf Anwendungen kann fatal
enden: Um etwa festzustellen, ob eine sehr große Datei unbekannten
Typs Lesbares enthält, scheint sich ein Drag & Drop auf Word
anzubieten. Word versucht die Datei zu konvertieren. Selbst wenn es
diese Aktion überhaupt übersteht: Bereits geladene Texte in Word
können beschädigt sein.
Killer-Klick 4: Maximale Pfadlänge überschreiten
Die maximale Pfadlänge unter XP und Vista beträgt circa 250
Zeichen. Wenn Sie eine Hierarchie zu komplex anlegen und die
Ordnernamen zu lang wählen, werden die Daten auf der untersten
Ebene unzugänglich. Problematisch ist es vor allem, in einer gerade
noch funktionierenden Hierarchie nachträglich Ordnernamen zu
längen.
Killer-Klick 5: Taste <x> als
Explorer-Killer
Die Taste <x> auf der numerischen Tastaturfeld öffnet
seit Windows-Generationen im Explorer sämtliche Unterverzeichnisse
des markierten Ordners. Falls Sie diese Funktion auf der oberen
Ebene einer großen Festplatte oder eines großen Netzwerks
ausführen, wird der Explorer nicht damit fertig („Keine Rückmeldung“
). Mit etwas Glück kann das Schließen des entsprechenden
Explorer-Fensters die Dauersanduhr beenden.