Fernsehen in HD-Auflösung ist schon eine feine Sache. Schließlich will der große Flachbild-Fernseher im Wohnzimmer ja auch ausgereizt werden. Während sich die öffentlich-rechtlichen HD-Programme ohne Einschränkungen sowohl über Satellit als auch per Kabel empfangen lassen, sieht es bei den Privatsendern ganz anders aus. Wir geben einen Überblick, welche Kröten Sie schlucken müssen, um auch Filme und Serien der privaten Sender in HD anschauen und aufnehmen zu können.
Auch wenn es kaum einer weiß: Nicht nur ARD, ZDF und Arte senden
in HD, sondern auch die großen Privatsender. Allerdings tun sie das
- überspitzt gesagt - weitgehend unter Ausschluss der
Öffentlichkeit. Denn um RTL, Sat.1, ProSieben, KabelEins, VOX, RTL2, SIXX und Sport
1 in hoher Auflösung sehen zu können, müssen mehrere
Voraussetzungen erfüllt sein. Und selbst wenn Sie bereit sind, sich
darauf einzulassen, müssen Sie auch noch schwer wiegende
Einschränkungen in Kauf nehmen, wenn Sie die Sender aufnehmen
möchten. Doch der Reihe nach.
Die Ausgangsbasis
Die oben genannten Privatsender haben sich dazu entschlossen,
ihre HD-Sender zu verschlüsseln. Ihr Programmpaket nennt sich HD+
(HD Plus). Für diese Maßnahme nennen sie (teils hinter
vorgehaltener Hand) mehrere Gründe:
- Teure Kanäle: Die Sender müssen für die
HD-Übertragung an uns Zuschauer zusätzliche Satelliten-Kapazitäten
und zukünftig auch zusätzliche Kabelkanäle anmieten. Diese sind
relativ teuer. Insbesondere, weil HD datenintensiv ist und daher
eine hohe Übertragungsbandbreite benötigt.
- Günstigerer Filmeinkauf: Dadurch, dass nur eine
begrenzte Zuschauerzahl die HD-Varianten empfangen kann, müssen die
Sender weniger Geld für die HD-Ausstrahlungsrechte von
fremdproduzierten Filmen und Serien ausgeben, zum Beispiel von
Hollywood-Blockbustern und US-Serien. Der mit der Verschlüsselung
verbundene Kopierschutz (siehe Seite 3) drückt ebenfalls den
Einkaufspreis. Gleiches gilt für die territoriale Beschränkung auf
Deutschland. Ohne Verschlüsselung könnten es sich die Sender nicht
leisten, Hollywood-Streifen in HD einzukaufen und auszustrahlen -
so ihre Argumentation.
- Höhere Werbe-Einnahmen: Durch die
Verschlüsselung können die Sender auch Einschränkungen bei der
Wiedergabe festlegen, zum Beispiel eine Vorspul-Sperre bei Werbung
(siehe Seite 3). Dadurch lassen sich höhere Werbepreise
erreichen.
HD+ ist momentan nur über Satellit zu empfangen. Ob und wann die
HD-Kanäle der Privaten ins Kabel eingespeist werden, ist noch
völlig unklar - die Gespräche mit den Kabelnetzbetreibern blieben
bisher ohne sichtbares Ergebnis. Erste Voraussetzung ist also eine
Satellitenschüssel, die auf Astra 19,2 Grad Ost ausgerichtet ist.
Des Weiteren benötigen Sie einen digitalen Sat-Empfänger, der HD+
unterstützt. Welche Geräte das von Haus aus tun, erfahren Sie auf
dieser Seite.
Alternativ benötigen Sie einen Empfänger (extern oder in den
Fernseher integriert), bei dem sich HD+ über ein
Entschlüsselungs-Modul nachrüsten lässt. Dies ist der Fall, wenn
der Empfänger über einen Einschub mit der Bezeichnung „CI+“
verfügt.
Handelt es sich hingegen um einen Einschub mit der
Kennzeichnung „CI“ (ohne Plus), dann kommt es auf den Einzelfall
an. Nur, wenn der Hersteller die Firmware für HD+ angepasst hat und
Sie das Update eingespielt haben, funktioniert diese Kombination. Auf
dieser Seite finden Sie eine laufend aktualisierte Liste von
CI-Geräten, für die eine HD+-fähige Firmware existiert.
Das Entschlüsselungs-Modul für den CI+-Einschub ist für rund 80 Euro im Fachhandel erhältlich. Das CI-Modul gibt es ausschließlich im HD+-Web-Shop für 99 Euro. Im Preis ist jeweils auch eine HD+-Karte enthalten, die in das jeweilige Modul eingeschoben wird. Sie ist ab der ersten Nutzung für 12 Monate freigeschaltet. Eine automatische Verlängerung erfolgt nicht. Sie können die Karte für ein weiteres Jahr freischalten, indem Sie entweder im Handel eine Prepaid-Karte kaufen und den freigerubbelten Code auf www.hd-plus.de/reload eingeben oder die Verlängerung direkt über den HD+-Web-Shop abwickeln. Der Preis beträgt in jedem Fall 50 Euro pro Jahr.
Wie schon angedeutet, haben sich die Privatsender zusätzlich zur Verschlüsselung noch einige Benutzereinschränkungen einfallen lassen, um die Einkaufskosten für Filme und Serien in HD zu senken und die Werbeeinnahmen zu steigern. Betroffen davon sind alle, die einen Sat-Receiver mit interner oder externer Festplatte besitzen. Zum Einen lassen sich Aufnahmen von HD+-Sendern nicht vorspulen. Damit soll verhindert werden, dass die Zuschauer Werbeblöcke überspringen. Schlimm genug. Der Nebeneffekt ist aber, dass man auch innerhalb der Sendung nicht navigieren kann. Programmiert man den Timer mit einigen Minuten Vorlauf, kann man diesen bei der Wiedergabe nicht überspringen. Die Wiedergabe zwischendurch beenden und zu einem späteren Zeitpunkt an diese Stelle spulen, um sie fortzusetzen? Fehlanzeige.
Die HD+-Aufnahmen auf den Computer übertragen, sie dort
schneiden und/oder unterwegs anschauen? Keine Chance, denn sie
landen verschlüsselt auf der Platte.
Festplattenrecorder mit CI+-Einschub bleiben gar ganz außen
vor, was die HD+-Aufnahme betrifft. Nur Timeshift (Pausieren des
laufenden Programms) lässt sich nutzen, aber auch nur maximal 90
Minuten. Grund: Die CI+-Spezifikation sieht aktuell keine
Vorspulsperre vor. Es ist zwar seit eineinhalb Jahren die Rede
davon, dass sich das bald ändern könnte. Aber bislang hat sich in
der Sache noch nichts getan. Eine Zwischenlösung könnten die
Hersteller der CI+-Receiver schaffen, indem sie - wie bei den
CI-Modellen auch - die HD+-Restriktionen properitär in die Firmware
einbauen. Diesen Schritt hat aber noch keiner unternommen.
Fazit: Wer die privaten Sender nur live in HD anschauen möchte, für den das HD+-Angebot mit Anschaffungskosten ab 80 Euro und jährlichen Gebühren von 50 Euro ab dem zweiten Jahr durchaus lohnenswert.Denn die gute Bildqualität macht süchtig. Möchten Sie hingegen unabhängig von festen Sendezeiten sein und daher einen Festplattenrecorder benutzen, werden Sie vermutlich aufgrund der Wiedergabe-Beschränkungen keine rechte Freude an HD+ haben.
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